Heute möchte ich dir zeigen, wie du schnell und einfach dein eigenes Drahtspalier für den Garten selber bauen kannst. Fertigprodukte aus dem Baumarkt für teuer Geld zu kaufen war gestern. Wer seinen Garten liebt der schiebt … ein wenig Erdreich zur Seite, betoniert ein paar Pfosten ein und spannt dazwischen reichlich Draht. Wie genau? Zeig ich dir!

Nutzungsmöglichkeiten

Schauen wir uns zunächst einmal die verschiedenen Verwendungszwecke von Drahtspalieren an.

Spalierobst

Am häufigsten genutzt werden dürften sie wahrscheinlich für den Anbau verschiedener Obstsorten. Wer also beispielsweise zu wenig Fläche für Obstbäume im Garten hat, kann mit Hilfe von Spalieren jene platzsparend(er) anbauen und im Spätjahr auch angenehmer ernten. Besonders beliebt sind hierbei vor Allem Äpfel, Birnen sowie Tafeltrauben und letztere sind auch der Grund, warum wir dieses kleine Projekt angegangen sind.

Sichtschutz

Des Weiteren können Drahtspaliere dank ihrer flexiblen Höhe in Kombination mit diversen Kletterpflanzen einen guten Sichtschutz zum neugierigen Nachbarn abgeben oder auch als Alternative zur herkömmlichen Hecke oder Zaun fungieren. Wer also statt dem üblichen Holz-, Draht- bzw. Metalllook eine etwas natürlichere und buntere Variante bevorzugt, dürfte hier fündig geworden sein. Nachteile sind jedoch, dass es zum einen durchaus seine Zeit dauert, bis das Spalier vollkommen bewachsen ist und zum anderen einen gewissen Mehraufwand für die Pflege mit sich bringt wie z.B. für das Zurückschneiden der Pflanzen etc.

Material

Hier habe ich vorab eine kleine Checkliste für dich zusammengestellt. Wofür diese Materialien genutzt werden siehst du im weiteren Verlauf.

  • 2x Stange (alternativ: Holzpfosten + Metallverankerung / -träger)
  • 2x Endkappen als Rostschutz
  • ca. 25-30 kg Fertigbeton ** (~ 1 Sack) pro 30 x 30 x 30 Loch
  • Mischwanne
  • Maurerkelle + Wasserwage
  • Beton-„Mixer“
  • Draht – je nach Abstand zwischen deinen Pfosten
  • Drahtspanner oder Bohrer für Stange/Pfahl
  • Gießkanne + Messbecher + alte Holzleiste

** Fertigbeton wird nur aus Wasser und Zementmischung angemacht. Auf Sand und Kies kann verzichtet werden, wodurch auch das Gesamtvolumen geringer ausfällt als bei „traditionellem Beton“. Daher ist vor dem Kauf auf jeden Fall immer das Kleingedruckte auf dem Sack zu lesen

Die Anleitung

Planung & Vorbereitung

Wir haben festgestellt, dass die jeweils äußeren Pfosten unseres längeren Spaliers in den letzten Monaten bereits unter der dem Gewicht und der damit resultierenden Zugkraft der Rebstöcke gelitten haben und einen auf Schiefe Stange von Pisa machen – und das obwohl sie eine relativ robuste wenn auch schmalere Betonbasis haben. Wir haben uns aus diesem Grund entschieden unser kurzes Drahtspalier ebenfalls einzubetonieren und die Maße ein wenig zu erhöhen.

Wer nicht zwingend Betonieren möchte oder keinen Zugang zu massiven Stangen hat, kann wie in der Materialübersicht bereits angedeutet auch zu herkömmlichen Holzpfählen greifen. Es ist jedoch zu empfehlen diese auf verzinkte Metallverankerungen zu setzen, um ein schnelleres Verrotten im Erdreich zu verhindern. Unserer Erfahrung nach gilt: Eisenrohr + Beton > Holzpfahl + Muskelkraft wenn es um früchte tragende Pflanzen geht.

Spalierpfosten
Spalierpfosten
Spalierpfosten Aushub
Spalierpfosten Aushub

Also heißt es zunächst einmal buddeln buddeln buddeln! Wir haben uns für eine Basis von
30 x 30 x 30 cm entschieden und wenn so ein Depp nicht noch mehr weggebuddelt hätte (ja ich wars… ) reicht normalerweise auch 1 Sack Fertigbeton und ein Gang zum Baumarkt.
Sobald die Löcher ausgehoben sind musst du eigentlich nur noch die Materialien ranschaffen und dann kanns auch direkt ans Betonieren gehen. Es empfiehlt sich übrigens diesen direkt vor Ort anzumischen und nicht bei der nächstgelegenen Steckdose. Lieber ein Verlängerungskabel für den Betonmixer legen als die Mischwanne samt Inhalt meterweit durch den Garten zu schleppen – und ja auch das mussten wir erst mal selbst lernen.

Beton anmischen & Pfeiler einsetzen

Falls du noch nie Beton angemischt bzw. benutzt hast: keine Panik, es kommt nicht auf die Sekunde an. Normalerweise ist auf jedem Sack Beton eine Anleitung zum korrekten Anmischungsverfahren zu finden und diese ist auch auf jeden Fall zu beachten.

Wir haben für unser Projekt ein herkömmliches Fertigzementgemisch (25 kg) verwendet und dieses zunächst mit 2 l Wasser versetzt. Danach heißt es Stecker rein und ab dafür! Sobald sich der Staub im wahrsten Sinne des Wortes etwas gelegt hat, werden die restlichen 2 l Wasser beigegeben und ordentlich untergemixt bis du ein relativ zähflüssiges Gemisch in der Mischwanne hast.

Das Befüllen des ausgehobenen Loches im nächsten Schritt ist relativ einfach: Stange aufstellen und Kelle für Kelle Beton einfüllen. Wichtig ist dabei, dass der Beton mit Hilfe einer alten Holzlatte oder ähnlichem gründlich verdichtet wird. Kräftige Stampf- bzw. Stocherbewegungen pro 10 – 15 cm Schicht führen dazu, dass sich der Beton in etwaige kleinsten Zwischenräume im Erdreich ausbreitet und die eventuell durch den Mischprozess enthaltene Luft entweichen kann. Dies ist wichtig damit sich beim Aushärten keine Hohlräume bilden und das Fundament so nicht an Stabilität verliert.

Beton verdichten
Beton verdichten
Spalierpfosten in Beton
Spalierpfosten in Beton

Notiz
Wer bedacht beim Ausheben der Löcher vorgeht kann seinen Materialverbrauch präzise planen und die dementsprechenden Mengen organisieren. Wer das – so wie wir Vollprofis – nicht so auf die Reihe bringt muss improvisieren oder Nachschub holen. Da wir etwas mehr Volumen gebraucht haben wurden kurzerhand übrig gebliebene Steine von anderen Projekten zweckentfremded und sowohl zur Befüllung als auch zum Ausrichten der Stange benutzt. Idealerweise macht man das aber nicht so.

extra Volumen
extra Volumen
Pflastersteine als Stütze
Pflastersteine als Stütze

Was sich als wesentlich komplizierter erweisen könnte ist die gerade Ausrichtung der Stange. Je nach Situation vor Ort könnt ihr diese entweder mit Seilen festzurren oder mit „V-Stützen“ in Position halten. Letztere sind zur Not auch schnell aus altem Holz zusammengenagelt. Im Endeffekt ist und bleibt es aber ein wenig Tüfftelei.
Bist du mit der Ausrichtung zufrieden gilt es noch den Beton mit der Maurerkelle glattzustreichen und mit einer Plane abzudecken, damit jener nicht zu sehr den Elementen ausgesetzt ist während er aushärtet.

Beton glattstreichen
Beton glattstreichen

Draht spannen

Kommen wir zum letzten Arbeitsschritt: dem Spannen des Drahtes zwischen unseren Spalierpfosten. Hier hast du im Prinzip zwei Möglichkeiten die Sache anzugehen:

a) Löcher durch deine Stangen / Pfosten bohren und den Draht schlicht und einfach durchziehen und aufwickeln oder

Spalier Drahtaufbau
Spalier Drahtaufbau
Spalier Drahtbefestigung
Spalier Drahtbefestigung

b) sogenannte „Drahtspanner“ befestigen und den Draht dort aufrollen

Drahtspanner 1
Drahtspanner 1
Drahtspanner 2
Drahtspanner 2

Für unser erstes Spalier haben wir Version a) angewendet und waren unterm Strich nicht so begeistert. Speziell wenn später das Gewicht der Pflanzen auf den Drähten lastet und ein Nachspannen nötig wird, bekommen wir ein kleines Problem. Dann heißt es nämlich auseinanderpfrimeln, den Draht mit samt dem Gewicht stramm ziehen, in Position halten und erneut aufwickeln und das ist nicht so leicht wie es sich hier anhört.

Ich empfehle dementsprechend direkt von Anfang an Option b) zu nutzen, da sowohl das Anbringen als auch eventuelle Nachbesserungsarbeiten deutlich angenehmer durchzuführen sind.
Die Anzahl bzw. der Abstand zwischen den Drahtreihen kommt ganz darauf an, welche Pflanzen du später am Spalier nutzen möchtest. Kletterpflanzen brauchen beispielsweise meisten einen kleineren Abstand als Obstbäume oder Tafeltraubenreben. Ein weiterer Vorteil der Drahtspanner ist zudem, dass sie verstellbar sind falls du dich irgendwann mal dazu entscheidest andere Pflanzenarten mit veränderten Wachstumsanforderungen in Sachen Höhe anzupflanzen. Unterm Strich lohnen sich meiner Meinung nach die paar Euro mehr auf jeden Fall!

Fazit

Ein Drahtspalier bietet dir zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten und kann mit diversen Pflanzen bestückt werden. Der Aufbau ist relativ simpel und die Materialien vergleichsweise günstig zu haben. Für jegliche Rebengewächse ist es praktisch ein Muss aber kann auch für weiteres Spalierobst verwendet werden, was vor Allem für Kleingartenbesitzer von Vorteil ist. In meinen Augen ist es den Arbeitsaufwand alle mal wert und wir haben bislang nur gute Erfahrungen gemacht – abgesehen vom anfänglichen Lehrgeld natürlich aber das hast du dir ja nun mit diesem kleinen Artikel (hoffentlich) gespart.

Lass uns wissen, ob dir im Garten auch Spalier gestanden wird und wofür du deine neuste Erungenschaft nutzt. Fragen oder konstruktives Feedback sind natürlich auch immer willkommen. Vielen Dank fürs Reinschauen und bis zum nächsten Mal!

Tüddellüüüü,
Simon

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