Du willst kostengünstig deinen eigenen Brunnen bohren? Deinen Garten mit chlorfreiem Wasser bewässern, oder einfach unabhängiger sein? Dann ist dies genau der richtige Artikel für dich. Ich werde dir hier meine gesammelten Erfahrungen bereitstellen und es dir dadurch erleichtern schon bald dein eigenes Wasser aus der Erde zu fördern.

Einführung

Bevor du mit dem Brunnen bohren loslegen kannst sollten als erstes einige grundlegende Dinge geklärt werden:

  • Darf ich auf meinem Grundstück einen Brunnen bohren?
  • Welche Genehmigungen brauche ich dafür?
  • Wie hoch ist der Grundwasserspiegel?
  • Wie sind die Bodenbeschaffenheiten an der Bohrstelle?
  • Lohnt sich ein Brunnen überhaupt?

Genehmigung zum Brunnen bohren – ist es erlaubt?

Kümmern wir uns als erstes um die Frage ob ich zum Brunnen bohren eine Genehmigung benötige: Grundsätzlich darf jeder auf seinem Grundstück einen Brunnen bohren aber in den meisten Fällen muss die Erschließung von Grundwasser den Wasserbehörden, dem Bau- oder Umweltamt gemeldet werden. Teilweise ist es auch möglich, dass die Wasserentnahme erlaubnisfrei ist, wenn es sich um einen Gemeingebrauch handelt. Da sich dies aber je nach Bundesland und Kommune unterscheiden kann, lohnt sich vorab ein Gang zum Bürgerbüro oder das Durchsuchen der Serviceportale.

Grundwasserspiegel und Bodenbeschaffenheiten

Wenn die Genehmigung erledigt ist geht es nun darum herauszufinden, wo der Grundwasserspiegel liegt und wie die Bodenbeschaffenheiten sind. Dazu ist es am einfachsten sich in der Nachbarschaft umzuhören. Gibt es Brunnen in deiner Nachbarschaft? Dann frag einfach bei den Eigentümern nach, denn es gibt niemanden der sich besser auskennt!
Sollte dies nicht der Fall sein hast du noch die Möglichkeiten bei einem örtlichen Brunnenbaubetrieb oder den Wasserversorgern nachzufragen. Zusätzlich kannst du natürlich auch im World Wide Web schlau machen. Suche dort einfach nach hydrogeologischen Karten aus deiner Region. In den meisten Fällen werden die aktuellen Grundwasserstände auch von den entsprechenden Behörden online gestellt und regelmäßig aktualisiert.

Ob sich die ganze Arbeit für dich lohnt ist relativ leicht herauszufinden. Eine Faustregel sagt: Wenn sich die Gesamtkosten des Brunnens innerhalb von 5-7 Jahren ausgleichen, lohnt sich ein Brunnen. Auf diese Rechnung werden wir aber später nochmals genauer eingehen.

Benötigte Werkzeuge und Materialien

Um mit dem Brunnen bohren starten zu können, benötigst du natürlich auch verschiedene Gerätschaften die ich dir in diesem Abschnitt erklären möchte.

Brunnenbohrer

Um den Grundwasserspiegel zu erreichen benötigst du natürlich einen Bohrer. Ich habe mich für eine Version mit Fangkorb entschieden, da dies deutlich günstiger war, als einen „Plunscher“ zu kaufen. Der Bohrer hat eine Länge von 10m (10x1m) und einen Bohrkopf mit 165mm Durchmesser.

Brunnenrohr

Außerdem benötigst du ein Brunnenrohr. Hier hast du die Wahl zwischen einem meist blauen, verschraubbaren Brunnenrohr oder einem einfachen KG-Rohr aus dem Baumarkt. Der Vorteil des Brunnenrohrs ist, dass es deutlich druckfester und stabiler ist. Ich habe mich aus Kostengründen für ein KG-Rohr entschieden. Bis jetzt ohne es zu bereuen.

Pumpe

Als Letztes benötigst du noch eine Pumpe um das Wasser zu Tage fördern zu können. Für Brunnen bis 7 Meter Tiefe hast du die Qual der Wahl: möglich wäre unter anderem eine stromlose Schwengelpumpe, eine Gartenpumpe mit Ansaugschlauch oder eine Brunnenpumpe die im Rohr positioniert wird.
Wird dein Brunnen tiefer als 7 Meter ist es unter Umständen nicht mehr möglich mit den zuvor genannten Pumpen das Wasser nach oben zu befördern. Grund hierfür ist der atmosphärische Druck, die Wassertemperatur und der Reibungswiderstand in der Förderleitung. Dann kommt, wie auch bei mir, eine TiefbrunnenTauchpumpe zum Einsatz. Diese können je nach Pumpentyp Förderhöhen von bis zu 60m bewerkstelligen.

Ich empfehle dir die Pumpe erst zu kaufen wenn klar ist, wie tief der Brunnen am Schluss werden wird.

Die Kosten

  • Brunnenbohrer 10m ca. 140€ (kann oftmals auch gemietet werden)
  • KG-Rohr 10m ca. 30€
  • KG-Endkappe 1 Stück ca. 3€
  • Tiefbrunnenpumpe ca. 250€
  • Entsorgung Erdaushub ca. 7€

Somit ergeben sich Gesamtkosten von ca. 430€

Kosten pro Meter

Mein Brunnen ist insgesamt 9,5 Meter tief. Dies entspricht also einem Preis von 45€ pro Meter.

Lohnt es sich einen Brunnen selbst zu bohren?

Da wir nun die Kosten kennen können wir nun noch einmal auf den Punkt „lohnt sich ein Brunnen?“ zurückkommen.

Ich musste durch die langen Trockenperioden in den letzten Jahren durchschnittlich 6m³ Leitungswasser, zusätzlich zum gesammelten Regenwasser, verwenden. 1m³ Leitungswasser entspricht bei uns ca. 7€, 6m³ demnach 42€. Gerechnet auf 7 Jahre macht dies eine Kosteneinsparung von 294€. Da ich aber gerade dabei bin meine gesamte Gartenbewässerung zu automatisieren wird sich der Wasserverbrauch deutlich erhöhen und damit den Brunnen sehr rentabel machen. Ich rechne mit einer kalkulierten Kosteneinsparung von etwa 100€ pro Jahr.

Den Brunnen bohren – der Ablauf und die Anleitung

Die Durchführung des Brunnenbohrens ist denkbar einfach. Als Erstes habe ich an der entsprechenden Bohrstelle die Grasnarbe großzügig abgestochen. Danach wird das erste Meterstück mit dem Bohrkopf angesetzt und durch Drehen unter leichtem Druck soweit in den Boden getrieben bis die Bohrkrone nicht mehr zu sehen ist. Ist dies der Fall wird der Bohrer wieder nach oben gezogen und der Aushub entfernt. Dies wird solange wiederholt bis man am Ende des Meterstücks angekommen ist. Nun wird der Griff abgeschraubt und eine Verlängerung aufgesteckt. Auf diese Verlängerung kommt nun wiederum der Griff und das Bohren kann weitergehen. Je nach Größe der Bohrkrone können damit auch kleinere Steine bis ca. 6 cm aus dem Bohrloch gefördert werden. Diese gesamte Prozedur muss solange wiederholt werden bis du auf Wasser stößt.

Bei 6 Meter Bohrtiefe konnte ich eine deutliche Veränderung der Bodenbeschaffenheit feststellen. Die lehmige Erde enthält nun deutlich mehr Kiesel und ist deutlich feuchter. Dann ging auf einmal alles sehr schnell und bei 7 Meter bin ich auf Wasser gestoßen. Um zu verhindern, dass Schwankungen des Wasserstands dafür sorgen, dass die Pumpe mehr Luft als Wasser befördert, habe ich noch weitere 2 Meter gebohrt. Der Korb über dem Bohrkopf verhindert, dass das Lehm-Wasser-Kies-Gemisch wieder aus der Bohrkrone rutscht. Man sollte versuchen wieder auf eine wasserundurchlässige Lehm/Ton-Schicht zu stoßen um zu verhindern, dass das Brunnenrohr im Laufe der Zeit wandert.

Bohrloch selbst gebohrt
Bohrloch selbst gebohrt

Da nun das Bohrloch fertig ist, geht es jetzt darum das KG-Rohr im Loch zu versenken. Ich habe mich für ein 125mm Rohr entschieden, da dies einen Durchmesser an der Muffe von 140 mm hat. Das erste 2 Meter Stück habe ich mit unzähligen Löchern von 1,5 mm versehen und eine Endkappe angebracht.

KG-Rohr
KG-Rohr

Danach wurden vier weitere 2 Meter Stücke eingesteckt, sodass es insgesamt ein 10m Rohr ergab.
Zur Sicherheit habe ich die Rohre an den Verbindungsstücken noch mit selbstschneidenden Schrauben versehen.
Nun wird das Rohr im Bohrloch versenkt. Jetzt nur noch einen Schlauch an die Pumpe anschließen, eine Sicherheitsleine an der Pumpe anbringen und alles zusammen der Länge nach mit Kabelbindern befestigen und ab damit ins Rohr. Man sollte allerdings darauf achten, dass die Pumpe ca. 1 Meter über dem Rohrende hängt, da sich dort immer etwas Sand sammeln wird.

Brunnenloch
Brunnenloch

Am Ende der Arbeit bleibt nur ein kleines Loch, der Maurerkübel dient als kleiner Brunnenschacht um die Elektronik für die Pumpe sowie den Schlauch zu schützen und zu verstecken.

Und nun der Test:

Die Pumpe fördert nun seit 3 Monaten Wasser ohne auch nur ein einziges Mal Luft zu ziehen. Am Anfang war das Wasser etwas sandig, dies hat sich aber nach den ersten 4 Stunden Dauerlauf mit ca. 12m³ Wasserentnahme deutlich gebessert und war relativ schnell erledigt.

Was tun bei störenden Steinen und Steinen im Weg?

Solltest du auf einen größeren Stein treffen kannst du versuchen mit angeschliffenen Stahlstangen unter starken Hammerschlägen diesen zum Platzen zu bringen. Falls dies nicht gelingt muss an einer neuen Stelle angefangen werden. Glücklicherweise war das bei mir nicht nötig.

Fazit

Abschließend gibt es zu sagen, dass es ein körperlich anstrengendes Projekt war, welches jede Menge Vorbereitung und Informationsbeschaffung benötigt hat. Das Ergebnis überzeugt jedoch allemal und ich würde es wieder genauso machen. Ich hoffe ich konnte dich damit etwas bei deinem eigenen Projekt unterstützen oder gar anregen, selbst beim Brunnenbau aktiv zu werden. Falls du weitere Fragen zum Thema hast, kannst du diese gerne in den Kommentaren stellen, generelles Feedback geben oder mir auch den Stand deines Projekts mitteilen.

Bis demnächst, dein Tobi!

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